Fol Shqip Show: Als ein Sprachverbot zur Lernchance wurde

Als Gast bei der Fol Shqip Show habe ich am 16. November 2024 von einer Situation erzählt, die vielen Schülerinnen und Schülern nur allzu bekannt ist. Es ging um eine Stellvertretung, die ich an einer Oberstufe übernahm – irgendwo in der Ostschweiz … hust – an der besonders viele Kinder Albanisch sprachen.

Schon beim Betreten des Schulhauses stach mir ein Poster ins Auge. Im Gang hing ein grosses Plakat, rot unterstrichen, unmissverständlich formuliert: Albanisch sei im Unterricht, im Gang und auf dem ganzen Schulareal verboten.Keine Erklärung, keine pädagogische Einordnung, keine Diskussion. Einfach ein Verbot. Ein Überbleibsel meines längst pensionierten Vorgängers – offenbar nie hinterfragt.

Ich las es, nahm es ab, zerknüllte es und warf es dem Papierkorb zum Frass rüber. Nicht aus Wut, nicht als Provokation, sondern aus pädagogischer Klarheit. Sprache ist kein Lärm. Sprache ist Teil eines Kindes. Und statt Energie in Sprachverbotsplakate zu stecken, wollte ich mit den Kindern etwas Sinnvolles tun: über den Umgang mit Sprachvielfalt sprechen.

Noch am selben Tag hing dort ein neues, farbig gestaltetes Poster. Die Botschaft war bewusst einfach und eindeutig:
Albanisch und alle anderen Sprachen sind im Klassenzimmer, im Gang und auf dem ganzen Schulareal erlaubt.
Eure Sprachen verkörpern nicht nur eure Kompetenzen, sondern auch eure Kinderrechte – hier im Klassenzimmer und überall auf der Welt.

Im Lehrerzimmer wurde das kurz zum Thema. Das alte Plakat habe „schon immer“ dort gehangen, hiess es, und sei nie ein Problem gewesen. Hat das Poster etwas zur Sache getan? Nein. Also. Genau deshalb war mir wichtig, als neuer Kollege von Anfang an Schulkultur mitzudenken und mitzugestalten.

Statt über Verbote zu streiten, machten wir das, was Schule im Kern ausmacht: Wir nahmen uns Zeit und erarbeiteten die Regeln gemeinsam im Klassenrat. Wann sprechen wir bewusst Hochdeutsch? Wo kann sprachliches Switching sinnvoll sein – für alle?

Aus einem vermeintlichen Problem wurde eine Lernchance. Mehrsprachigkeit war plötzlich nicht mehr das, was man kontrollieren muss, sondern das, worüber man sprechen kann. Am Ende stand sogar ein Angebot der Schulleitung im Raum, ein Wahlfach einzurichten, in dem man auf Deutsch über Albanisch lernen könnte – offen für alle Schülerinnen und Schüler. Ich habe aus Zeitgründen dankend abgelehnt. Doch allein die Idee zeigte, wie schnell sich Perspektiven verschieben können.

Nicht die Sprachen waren das Problem.
Sondern der Umgang mit ihnen.

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YouTube (Fol Shqip Show):
https://www.youtube.com/watch?v=ROrSima4Tjg