Online-Seminar des KKAD

Am 6. und 7. Dezember 2025 durfte ich im Rahmen des Online-Seminars des KKAD (Këshilli Koordinues i Arsimtarëve në Diasporë – Koordinierungsrat der Lehrkräfte in der Diaspora) einen fachlichen Beitrag leisten. Es war – ganz nebenbei – mein erster Fachvortrag über Sprache auf Albanisch, was für mich persönlich eine besondere Bedeutung hatte.

Ausgangspunkt für mein Impulsreferat war eine Beobachtung aus langjähriger Praxis: Der Albanischunterricht in der Diaspora ist häufig stark sprechlastig organisiert. Mündlichkeit dominiert, während Lesen, Schreiben, Hören, literarisches Verstehen und metasprachliche Reflexion kaum systematisch aufgebaut werden. Angelehnt an den Lehrplan 21 habe ich aufgezeigt, dass sich Sprache über mehrere Kompetenzbereiche entwickelt, die zusammenwirken müssen, damit Kinder ihre Erstsprache auch als Bildungssprache erfahren.

Didaktisch stützte ich mich auf ein einfaches, praktisches Gerüst aus vier Sprachhandlungen: me bisedu (im Alltag sprechen), me tregu (erzählen), me shpjegu (erklären) und shprehje akademike (sich akademisch ausdrücken). Diese Progression folgt dem Ansatz der funktionalen Sprachdidaktik, wie er unter anderem von Helmuth Feilke beschrieben wird: Sprachentwicklung vollzieht sich über wiederkehrende Sprachhandlungsmuster – vom alltagsnahen zum bildungssprachlichen Gebrauch. Das Modell macht Entwicklung sichtbar, ohne die Erstsprache zu reduzieren oder zu normieren.

Der internationale Austausch im Seminar zeigte zugleich Chancen und Grenzen. Mehrsprachig-didaktische Ansätze, die Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen, sind vorhanden. Gleichzeitig ist die monolinguale Methode weiterhin verbreitet – oft aus Zeitmangel, fehlenden Alternativen und begrenzten Weiterbildungsangeboten.

Bewusst angesprochen habe ich zudem eine Leerstelle: spezifische Förderangebote für sprachlich hochbegabte Schülerinnen und Schüler in ihrer Erstsprache. Vertiefende Kurse mit Fokus auf Literatur, Stil und Metasprache könnten hier ein bislang ungenutztes Potenzial erschliessen.

Was bleibt, ist Respekt vor allen Lehrpersonen, die unter nicht idealen Bedingungen Albanisch unterrichten und ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln.
Und die Überzeugung, dass der nächste Schritt nicht in Vereinfachung liegt, sondern in mehr Didaktik, mehr Differenzierung und mehr Vertrauen in die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder.

Die Erstsprache Albanisch hat Zukunft – dort, wo sie fachlich ernst genommen sowie strukturell und pädagogisch weitergedacht wird.

Weiterführender Kontext zum Anlass (Albinfo):
https://www.albinfo.ch/de/seminar-des-kkad-zum-thema-die-herausforderungen-der-albanischen-sprache-in-der-diaspora/